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EHC Uri ohne Trainingeis in Seewen

Arnold Markus 27.07.2016

Mit grosser Enttäuschung musste der Eishockeyclub Uri im Mai feststellen, dass die Kunsteisbahn Zingel in Seewen die Trainingseinheit für den Urner Verein nach 40 Jahren ersatzlos streicht. Ohne eine offizielle Information seitens der KEB Zingel AG stand man plötzlich ohne Trainingsmöglichkeit da. Nach intensiver Prüfung der wenigen Optionen wird der EHC Uri in Engelberg und Zug trainieren.

Anfangs Mai hörte der Vorstand des Eishockeyclubs Uri zum ersten Mal irgendwas munkeln, dass die KEB Zingel das eine Training, welches der Verein pro Woche in Seewen hat, streichen wird. Ziemlich überrascht ob dieser Gerüchte, wurde die Geschäftsleitung der Kunsteisbahn Seewen kontaktiert um genaueres zu erfahren und die Situation aufzuklären. Dem EHC Uri wurde dann auf Anfrage hin erklärt, dass die Eishalle voll ausgelastet ist und keine Trainingsmöglichkeit mehr bestehe.

Der Urner Eishockeyclub wurde früher noch unter dem Namen HC Andermatt-Göschenen geführt und trainierte bis heute 40 Jahre lang in Seewen. Gemäss Hochrechnungen bezahlte der Verein in dieser Zeit rund eine halbe Million Franken an die Eishalle. Nun der Rausschmiss ohne proaktive Information an den Mieter. Gegen diese Ungerechtigkeit versuchte sich der EHC Uri zu wehren und verfasste einen offiziellen Brief an den Verwaltungsrat der KEB Zingel AG mit der Bitte um Wiedererwägung und sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen um eine Lösung zu finden, welche für beide Parteien akzeptabel ist. Leider ohne Erfolg. Der EHC Uri wurde nicht zum Gespräch eingeladen, stattdessen wurde vom Verwaltungsratspräsidenten informiert, dass das Anliegen geprüft und abgelehnt wurde.

Mitten in der Saisonplanung war dies ein riesen Schock für den Vorstand des EHC Uri. Man sah sich Zwischenzeitlich sogar mit Existenzängsten konfrontiert. Ein Eishockeyverein der nicht aufs Eis kann, wird früher oder später von der Bildfläche verschwinden. Wie weiter also? Schon seit mehreren Jahren trägt der Verein einen Grossteil seiner „Heimspiele“ in Küssnacht aus, da die Auslastung in Seewen an Samstag- und Sonntagabenden schon länger ein Problem ist. Aus diesem Grund, war die KEB in Küssnacht die erste Alternative. Leider ohne Erfolg, Küssnacht war ebenfalls schon voll ausgelastet und musste auch anderen Vereinen Absagen erteilen. Weiter wurden Engelberg, Luzern, Sursee, Hochdorf und Ambri geprüft. Leider sind auch diese Eisflächen meist schon besetzt, nicht zuletzt weil viele Hallen die Planung schon gemacht hatten. Hätte man von der KEB in Seewen die Hiobsbotschaft schon Ende letzter Saison erhalten, wären wahrscheinlich mehr Möglichkeiten offen gewesen. Nach langen mühsamen Abklärungen wurde schlussendlich eine halbwegs vertretbare Lösung gefunden.

Der EHC Uri wird ab Ende August bis Mitte Oktober in Engelberg trainieren. In dieser Zeit konnte man sehr gute Trainingszeiten erhalten. Danach wäre dies nur noch beschränkt möglich bzw. man könnte erst sehr spät trainieren, so dass die Spieler erst nach 01:00 Uhr morgens zu Hause wären. Wer weiss, dass nach intensiven Sporteinheiten das Einschlafen nicht auf Anhieb klappt, versteht dass dies für 100% arbeitstätige Personen nicht zumutbar wäre. Aus diesem Grund weicht man ab Ende Oktober nach Zug aus, wo man eine gute Alternative bekommen konnte.

Durch die Problematik des EHC Uri und die allgemeine Auslastungssituation bei Eishallen in der Zentralschweiz stellt sich natürlich die Frage nach einer Eisbahn im Kanton. Dieses Unterfangen stand bereits mehrere Male zur Debatte, fand aber zu wenig Unterstützung in der Politik. Am erfolgversprechendsten war ein Projekt neben dem Schwimmbad Moosbad in Altdorf, welches bereits mehrmals aufgegriffen wurde. Aber auch dieses wurde nie weiterverfolgt. Zum heutigen Zeitpunkt ist leider auch keine Verbesserung der Lage in Aussicht. Es fehlt eine Interessenmehrheit, welche den aktiven Eissport im Kanton Uri politisch sowie finanziell fördern würde, obschon der Eishockeysport, aber auch das Eislaufen bei Schulklassen viel Begeisterung weckt.